Zu jedem gefühlten Akademiker gehören neben der Nickelbrille, einem ZEIT-Abo, einer Altbauwohnung in den angesagten Stadtteilen deutscher Metropolen, einem alten Volvo oder Saab, dem Deutschlandfunk im Radio auch die klassischen Eames Plastic Side Chairs, die von dem Designerimpressario-Ehepaar Ray and Charles Eames 1951 entworfen wurden. Heute findet sich dieser Stuhl im Eingangsbereich jeder halbwegs hippen Werbeagentur und ist Teil so mancher Designausstellung. Der Soziologe erkennt in dem vorhergehenden Gestaltungsstakkato den Wunsch moderner Menschen, sich durch ihre konsumatorischen und damit stilistischen Entscheidungen sozial klar zu positionieren … man spricht von „Distinktion“: „Ich kaufe xy, damit Du mich als besonders z oder y positionierst.“ Diese Distinktion darf ruhig etwas kosten: Der schicke Stuhl aus dem Hause VITRA ruft 321 EUR auf und wird ausschließlich von ausgewählten Händlern vertrieben. Was aber, wenn das sitzgeprüfte gute Stück plötzlich in artfremden Umfeld zu sehen ist?

Eames Side Plastic Chair bei McDonalds

Eames Chairs … nicht nur räumlich in der Unterführung

Nun gelten McDonalds-Cafes (hier: Köln-Hauptbahnhof) sicherlich nicht als Inbegriffe der „Haute Cuisine“ … die Marke McDonalds steht sicherlich für viele unterschiedliche Attribute und Leistungen und bemüht sich redlich um ein „grünes“ Image, aber es scheint doch eher unüblich McDonalds mit gepflegt-bourgoisen Akademikern in Verbindung zu bringen, die sich nach vollbrachter Kreativarbeit in den Katakomden der lokalen Hauptbahnhöfe zum Gedankenaustausch im McCafé zurückziehen … anscheinend hat die Marke VITRA kein Problem damit, ihre Stühle in diesem Umfeld zu bestaunen. Sicherlich war die Bestuhlung umfangreich, sicherlich hat sich der zuständige Manager bzw. das Interiordesign-Team bei McDonalds sehr gefreut, dass man die Marke „wertig aufladen“ kann … Problematisch ist dabei allerdings, dass im selben Maße wie sich McDonalds positiv auflädt, die Marke VITRA entlädt. Es ist äußerst drollig sich vorzustellen, wie der stolze Besitzer eines Eames-Chairs reagiert, wenn er von einer Geschäftsreise kommend, sich auf seine durchdesignte Wohnung freuend, seine „prämierten“ Designerstühle zwischen „McClean“ und „Subway“ bei „McDonalds“ erblickt … Brandmanagement hat sehr viel mit Grenzziehung zu tun und die beginnt bereits dort, wo sich meine Marke finden darf und soll …

Nachtrag:
Die Tatsache, das nach diesem Beitrag aus dem Jahr 2014 mehrere Blogger auf diese Merkwürdigkeit hingewiesen haben und androhten ihre Disgnikonen aus dem Esszimmer zu verbannen („Ich richte mich doch nicht ein wie im McDonalds-Duisburg“) sollte die VITRA-Vertriebler (trotz des lukrativen Kunden) aufhorchen lassen. Ein gutes Geschäfts kennt keinen Verlierer … und zwar nicht nur heute, sondern auch für eine prestigereiche Marke wie EAMES, die sich hoffentlich auch noch in einigen Jahren zu einer exorbitanten Marge verkaufen lassen will …