Was haben weltbekannte US-Comicfiguren mit Kultstatus mit einer erfolgreichen deutschen Airlinie und ihrer Kernkompetenz Urlaubsflüge zu tun? In der Printkampagne vom Ferienflieger Condor sehr viel: Die verlängerte Beinfreiheit in der Condor Premium Economy Class wird mit Hilfe der Peanuts-Figuren Charlie Brown, Snoopy und Woodstock verdeutlicht, die sich auf den mit Strichlinien gezeichneten(!) Sitzen lümmeln. Darüber der Satz: „Lang Fliegen, lang machen“ – Achtung Wortspiel. Bezeichnend an dieser Werbung ist nicht die Tatsache, dass ein Merkmal, welches den Charme aller Peanuts-Figuren ausmacht, ihre extrem kurzen Beine sind – im Verhältnis zum großen Kopf (Beim klitzekleinen gelben Vogel Woodstock überhaupt von Beinen zu sprechen, wäre eine Übertreibung dafür kann er stenographieren). Bezeichnend im Sinne des Wortes ist der bildliche wie inhaltliche Abstraktionsgrad, welchen diese Werbung der ehemaligen Lufthansa-Tochter Condor erreicht: Per se abstrakte Comicfiguren, die auf abstrakt dargestellten Flugzeugsitzen liegen bzw. sitzen. Die eigentliche Leistung der Marke Condor rückt für ein „lustiges Bildchen“ in den Hintergrund. Das diese Marke erfolgreich seit vielen Jahren viele Millionen Urlauber sicher an ihr Urlaubsziel bringt lässt sich nicht einmal aus den kleingedruckten Begleittexten erschließen.

Entscheidendes Merkmal jeder guten Werbung ist, dass sie eine Marken-Leistung konkret erfahrbar macht. Dies kann seriös, lustig, detailorientiert oder bildgewaltig geschehen: Die Möglichkeiten sind unendlich. Einzige Bedingung: Die Werbung muss ihre Inhalte ALLEIN aus dem Ideenkreis der Marke gewinnen. Niemand wird einen Flug bei der Marke Condor kaufen, weil diese so lustige Comicfiguren in der Werbung zeigt. Ich kaufe einen Ferienflug bei dieser Marke, weil sie mir verspricht meine Familie und mich sicher nach Teneriffa zu fliegen. Im Falle eines Urlaubes vertraue ich meine persönliche Sicherheit und oftmals die meiner Familie einer Firma an, die mit Comicfiguren um Aufmerksamkeit buhlen muss. Die schönste Zeit des Jahres, auf die gespart und hingelebt wurde – und alles was Condor dazu einfällt sind Comicfiguren, die zudem keinerlei nachvollziehbare Verbindung zur Marke besitzen. Statt kostengünstig auf eigene Inhalte zuzugreifen werden lieber Lizenzrechte für die Nutzung externer Comicfiguren bezahlt. Wie gut, dass die Kundschaft deutlich mehr weiß als das Unternehmen und seine Werbung: Immerhin vertraut die deutsche Klientel dieser Marke bereits seit 1955 ihren Urlaub an. Und sie wurde bisher nicht enttäuscht: Die Marke Condor hat ein Positives Vorurteil in ihrer Kundschaft verankert, ein Vorurteil, das auch diese Kampagne nicht zerstören wird – sie hat selbst den großformatigen Schriftzug Thomas Cook auf „ihren“ Flugzeugen überstanden. Es ist nur unendlich schade, dass eine faszinierende Marke, die in einem extrem umkämpften Markt agiert, in keiner Weise ihre Kompetenzen nach vorne stellt, welche sie unzweifelhaft besitzt und welche für ihr wirtschaftliches Überleben und Vorankommen entscheidend sind. Ein kleiner Tipp vom Büro für Markenentwicklung: Es sind nicht die Peanuts.

Snoopy und seine FreundeWerbung ohne jede Anbindung an die Marke: Peanuts und Condor.