Mon Chéri macht  Pause: Markenstärkung durch Abwesenheit

Mon Chéri macht Pause: Markenstärkung durch Abwesenheit

Während viele Marketeers den Kunden am liebsten noch bis in solch traditionelle Rückzugsorte wie den Strandkorb mit ihren neuen genialen Vermarktungsideen verfolgen möchten (Tenor: „Wir gehen überall dahin, wo unser Kunde ist!“ Vielleicht stirbt die deutsche Sandburg deswegen nicht aus?), verschwindet die beliebteste Praline der Deutschen jedes Jahr im Sommer für einige Zeit von der Bildfläche und schickt sich selbst in den Urlaub. Seit 1957 gibt es Mon Chéri mit der – inzwischen rechtlich geschützten – Piemont-Kirsche. Geschützt mit Recht: Denn diese Kirsche ist eine Marken-Erfindung von Ferrero, es kommen laut Eigenaussage „nur allerbeste Kirschen aus bevorzugten Anbaugebieten der ganzen Welt“ zum Einsatz, eine Original-Piemont-Kirsche wurde dabei allerdings noch nie im Korb gesichtet: Zur Piemont-Kirsche reift das Produkt erst in Verbindung mit Zartbitterschokolade und Likör. Der Mon Chéri-Pralinen-Urlaub wurde bereits in den 60er Jahren von Ferrero eingeführt und seitdem konsequent durchgehalten. Die alljährlich neu gestellte Frage, ob es sich um einen künstlich aufgesetzten Marketing-Gag von Ferrero handelt, verneint das italienische Unternehmen (1946 in Alba/Piemont gegründet) vehement und ganz offiziell auf der Website. Der „Hype“ um die Sommerpause wird dennoch in der Kommunikation nach Kräften mitinitiiert und gelenkt. Aus markensoziologischer Sicht ist hier nur ein Blickwinkel entscheidend: Die Wiederkehr des immer gleichen hochsommerlichen Procederes. Es kann als sicher gelten, dass altgediente Mitarbeiter leise stöhnen, wenn der Sommer nicht mehr weit ist und die PR-Maschinerie erneut angeworfen werden muss -aber einzig das Ergebnis zählt. Selbst Menschen, deren Finger noch nie in der Nähe einer Likörpraline gesichtet wurden, haben schon einmal von der Mon Chéri-Sommerpause gehört. Und wenn Sie doch einmal zugreifen, dann ist ihre Neugierde höchstwahrscheinlich auch mit der Geschichte verbunden. Denn...